Parodontitis – eine tickende Zeitbombe

Patodontis © bilderzwerg - Fotolia.comWie sich Parodontitis auf den gesamten Organismus auswirkt und warum gerade Männer besonders gefährdet sind.

Statistisch gesehen leiden rund 70-75% aller Erwachsenen unter Parodontitis, einer Entzündung des Zahnhalteapparats. Diese Entzündung im Mundraum wird von vielen Menschen jedoch auf die leichte Schulter genommen, was gefährlich ist. Denn bei einer fortgeschrittenen Parodontitis ist die verwundete Fläche mit der einer offenen Handfläche zu vergleichen. Dass ein solch großer Entzündungsherd dem Organismus schadet, liegt wörtlich „auf der Hand“. Doch was ist eigentlich Parodontitis und welche konkreten Folgen kann diese Krankheit haben? Viel wichtiger noch: Wie kann man sie heilen?

Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparats. Zu diesem gehören das Zahnfleisch, die knöcherne Umgebung, die Zahnwurzelhaut und die Zahnwurzelhautfasern. Charakteristisch für diese Krankheit sind eine unausgewogenen Immunreaktion sowie eine chronische Entzündung, die durch Bakterien ausgelöst wird.

Gerade bei Männern ergibt sich durch das Geschlechtshormon Testosteron ein erhöhtes Risiko an Parodontitis zu erkranken, wie die Studie der University of Maryland/Dental School zeigt. Testosteron hat einen Einfluss auf das Immunsystem und ist maßgeblich an der Regulierung von Entzündungen beteiligt. Anscheinend besteht durch dieses Hormon ein ungünstiger Zusammenhang zwischen dem Heilungsprozess einer Parodontitis-Erkrankung und der Immunreaktion. Laut Studien haben Frauen aufgrund ihrer Sexualhormone allgemein eine besser Abwehrleistung gegenüber Keimen. Dies macht sich auch in diesem Kontext bemerkbar. Demnach ist eine Behandlung von Parodontitis bei Männern oftmals schwieriger und der Krankheitsverlauf fällt schwerer aus.

Was macht nun Parodontitis allerdings so gefährlich für den gesamten menschlichen Organismus? Die Frage ist nicht allein mit einer einzig möglichen Antwort zu klären. Parodontitis kann nicht nur zu Zahnverlust führen, sie kann beispielsweise auch Auswirkung auf Diabetes haben, Wechselwirkungen mit Rheuma aufzeigen, Alzheimer begünstigen oder das Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko drastisch erhöhen – um nur einige mögliche Auswirkungen zu nennen. „Gerade in Bezug auf den Zusammenhang mit Schlaganfällen oder Herzinfarkten kann Parodontitis zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung werden“, erklärt Dr. Thomas Jung von der Zahnklinik Jung. Durch die bakteriell bedingte Entzündung im Mundraum wird eine Immunreaktion in Gang gesetzt. Die Entzündungsreaktion ist die Antwort des Körpers auf die Eindringlinge, was zu einer Veränderung der Arterienstruktur führt: Dadurch ist das Risiko für Schlaganfälle oder Herzinfarkte sieben Mal höher als bei Menschen ohne parodontale Entzündungen.

Bei Rheuma verhält es sich gegenläufig: Rheuma kann eine Parodontitiserkrankung fördern, im Umkehrschluss kann eine Parodontitis-Therapie einen positiven Effekt auf die rheumatischen Beschwerden haben. Auch in diesem Fall ist das Bindeglied beider Erkrankungen die Entzündungsreaktion des Körpers. Durch entzündliche Zellen von bindegewebigen und mineralisierten Strukturen kommt es zum Abbau von Knochen- und Knorpelgeweben: sowohl in den Gelenken, als auch im Mundraum. Wer also unter Rheuma leidet, der hat aufgrund dieses Zusammenhangs ein erhöhtes Risiko an Parodontitis zu erkranken und auf lange Sicht unter Zahnverlust zu leiden.

Last but not least – eine entscheidende Frage: Kann man Parodontitis vorbeugen und kann man diese Krankheit heilen? Die gute Nachricht vorne weg: ja, man kann. Die regelmäßigen Prophylaxe-Termine beim Zahnarzt sollten dazu allerdings eingehalten und ernst genommen werden. Je früher der Zahnarzt Parodontitis-Bakterien im Mundraum analysieren kann, desto geringer sind die Auswirkungen auf den Organismus. „Durch einen Bakterientest und eine klinische Untersuchung kann ein Spezialist unkompliziert und sicher feststellen, ob eine Erkrankung vorliegt oder nicht. Falls dies der Fall ist, kann in frühen Stadien der Parodontitis sogar schon eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung unter ärztlicher Aufsicht helfen“, so Dr. Andreas Jung. Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung sollte zunächst der Biofilm, in welchem sich die Bakterien aufhalten, mechanisch aufgelöst werden. Anschließend können entzündete Gewebestellen mittels Lasertherapie behandelt werden, um eine gute Basis zur Heilung zu schaffen, indem dem Körper zunächst von der entzündeten Last befreit wird. Zusätzlich wird eventuell mit einem speziellen, auf das Keimspektrum abgestimmten Antibiotikum behandelt. Der Heilungsverlauf sollte in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Eines sollte dabei allerdings nicht aus den Augen verloren werden: Die konsequente Mundhygiene in den eigenen vier Wänden sowie eine professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt in wiederkehrenden Abständen trägt maßgeblich zu der dauerhaften Mundgesundheit und zum Erhalt eines gewinnbringenden Lächelns bei.

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3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Dr. Dr. Thomas J. Pechacek
    Feb 15, 2013 @ 17:49:43

    Ein wirklich sehr schön und toll geschriebener Artikel!

    Herzliche Grüße

    Antwort

  2. Sinuslift
    Feb 19, 2013 @ 10:57:10

    Ich gebe Herrn Dr. Pechacek Recht. Es ist wirklich sehr Informativ und gut geschrieben!

    Antwort

  3. Joachim
    Jul 29, 2013 @ 14:11:05

    Ich kann mich natürlich meinen beiden Vorredner nur anschließen… wirklich sehr guter Fachartikel der trotzdem noch gut verständlich ist. Parodontitis ist ein ernstzunehmendes Thema und sollte frühzeitig erkannt und bekämpft werden. Ignoriert man die Gefahr wird es ganz sicher schlimmer werden und ist zwangsläufig auch mit hohen Kosten verbunden.

    Antwort

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